Wissen Sie, wohin Ihre Reise geht?“

Sie fahren auf gut ausgebauten Straßen nach Hebron oder Bethlehem - ein Palästinenser darf diese Straße nicht benutzen! 

„Nur für Siedler“–Straßen sind eingezäunte und durchgehend beleuchtete Straßen, die nur von Siedlern befahren werden dürfen. Autos mit palästinensischer Zulassung  dürfen diese Straßen nicht benützen, ja, nicht einmal überqueren. Sie zerschneiden die Westbank und zerstören so das palästinensische Straßensystem, während die Siedler überallhin freien Zugang haben. Sogar auf palästinensischen Straßen haben Autos mit palästinensischen Kennzeichen beschränkten Zugang durch Checkpoints und Straßensperren. Für die Kreuzungen von Siedler- und palästinensischen Straßen gibt es Brücken (die für Israelis  freie Fahrt garantieren) und Tunnel (von Israel kontrollierte Passagen, bewacht vom israelischen Militär). Diese sind für die Palästinenser die einzigen Durchfahrmöglichkeiten, um von einer Stadt oder einer Region der Westbank zur anderen fahren zu können. Alle Tunnel sind mit einem Tor versehen. So kann Israel über die ganze Westbank eine Ausgangssperre verhängen, beliebig Kollektivstrafen verhängen und das ganze palästinensische Leben kontrollieren.


(Stand 2012) 

Quellen:
http://www.btselem.org/sites/default/files2/map/forbbiden_roads_map_eng.pdf   
http://www.palaestina-portal.eu/texte/juma_jamal_wie_maeuse_in_der_falle.htm  
http://visualizingpalestine.org/visuals/segregated-roads-west-bank 



Sie können jedes touristische Ziel in Israel und der Westbank besuchen - ein Palästinenser kann seine Verwandten im Nachbardorf nicht ohne Kontrolle der Besatzungsmacht besuchen!

Die Palästinenser sind verschiedenen Einschränkungen unterworfen. Dazu gehören die Einteilung der Westbank in A-, B- und C-Zonen, feste und fliegende Checkpoints und die 700 km lange Trennmauer. 

Seit dem Osloer Abkommen der 1990er Jahre ist die Westbank in A-, B- und C – Zonen aufgeteilt.
In den A-Zonen ist die Palästinensische Selbstverwaltung alleine für die Verwaltung und Sicherheit verantwortlich.
In den B – Zonen ist die Palästinensische Selbstverwaltung für die Verwaltungsaufgaben zuständig, für die Sicherheit ist die israelische Besatzungsarmee zuständig.
Die C – Zonen sind Gebiete, die von der israelischen Besatzungsarmee verwaltet werden. Hier liegen vor allem die Siedlungen, und große landwirtschaftliche Flächen. Für die palästinensischen Bewohner gelten zusätzlich noch weitere Einschränkungen wie ein Bauverbot für Häuser und Brunnen. Selbst die Reparatur einer Wasserpumpe muss von der Militärverwaltung genehmigt werden.  

Die festen oder sogenannten fliegenden Checkpoints, die alle von der israelischen Besatzungsarmee kontrolliert werden, schränken die Bewegungsfreiheit der Palästinenser enorm ein. Stundenlanges Warten, Demütigungen, Schikanen und Willkür machen das Leben der palästinensischen Bevölkerung unberechenbar, nicht mehr planbar und unerträglich. Manchmal kann die Situation an den Checkpoints auch lebensbedrohlich werden. Niemand kann sicher sein, ob er nach stundenlangem Warten den Checkpoint passieren darf oder unverrichteter Dinge wieder zurück muss.
Die Trennmauer verläuft nicht auf der grünen Linie (Waffenstillstandslinie von 1967), sondern überwiegend auf palästinensischem Land. Zum einen durchschneidet sie palästinensische Dörfer, zum anderen schließt sie Dörfer und Städte ein. Für den Bau dieser Mauer wurden zahllose Olivenhaine gerodet und fruchtbares Ackerland enteignet. Sie trennt Bauern von ihren Feldern, sie erschwert oder verhindert Kindern den Schulweg, Studenten den Weg zur Uni, Kranken den Weg zum Arzt oder in eine Klinik.
Die Mauer umschließt einen großen Teil der illegalen israelischen Siedlungen in der Westbank.  
Durch den Verlauf der Mauer wird ein Großteil der illegalen israelischen Siedlungen in der Westbank zu israelischem Besitz, obwohl sie auf palästinensischem Land errichtet wurde.
Diese Mauer und die illegalen israelischen Siedlungen, auf palästinensischem Land errichtet, machen das Land, das palästinensischer Besitz war, zu israelischem Besitz.


 

Sie können den Felsendom in Jerusalem besichtigen - ein Palästinenser kann nicht nach Jerusalem reisen!

Tempelberg – Haram ash Sharif 
Dieser Ort ist für Juden, Christen und Muslime seit langem ein besonderer Platz. Abraham kam ca. 1800 v.Chr. hierher. Auf diesem Fels sollte er auf Gottes Befehl seinen eigenen Sohn opfern. Für Juden ist das Isaak, der Sohn von Sara, für Muslime ist das Ismael, Hagars Sohn.
Ein Jahrtausend später eroberte David diesen Berg und sein Sohn Salomo ließ dort den ersten prächtigen Tempel bauen. Dieser wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut, bis dann im Jahr 70 n.Chr. die Römer unter Titus alles zerstörten.
638 n. Chr. wurde der Ort von Muslimen eingenommen, denn von diesem Fels Moria soll der Prophet ins Paradies aufgestiegen sein. Den Muslimen ist das die drittheiligste Stätte auf der Erde.

Nun entstand der Felsendom mit der goldenen Kuppel. Dann folgte die al-Aqsa Moschee mit Platz für 5.000 Gläubige. Nach 1100 n.Chr. zogen die Kreuzritter ein und bauten dort eine Marienkirche. Aber nach ca. 200 Jahren endete diese Zeit und die Muslime übernahmen seither diese Stätte.
Bis 1967 war ganz Ostjerusalem unter jordanischer Kontrolle und bis heute untersteht der Tempelberg dem "Waqf" der islamischen Religionsbehörde. Angehörige anderer Religionen dürfen das Areal besuchen, aber nicht dort beten. Nach 1967 übernahm Israel die Kontrolle für den Zugang der Nichtmuslime. Juden sollen den Tempelplatz nicht betreten, weil nicht klar ist, wo die Bundeslade mit den 10 Geboten gestanden hat. Dennoch versuchen nationalreligiöse Juden, den Grundstein für einen neuen Tempel zu legen.
Im September 2015 wurden viele Juden zum Laubhüttenfest eingelassen, obwohl gleichzeitig das islamische Opferfest gefeiert wurde und Muslimen der Zugang beschränkt wurde. Dies führte zu vielen weiteren Unruhen.

Politisch gesehen machen sowohl Israel als auch die Palästinenser einen Anspruch auf Jerusalem als Hauptstadt geltend. 1980 hat die Knesset Jerusalem einschließlich der 1967 besetzten Gebiete von Ost-Jerusalem als Israels ewige und unteilbare Hauptstadt erklärt. Kein Staat außer den USA erkennt jedoch Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Die Palästinenser auf der anderen Seite sehen Ost-Jerusalem (das Stadtgebiet östlich der Waffenstillstandslinie von 1948, auch bekannt als „greenline“) als die Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates.
Sowohl die EU als auch die UN sprechen von einem besetzten Ost-Jerusalem und haben eine Zwei-Staatenlösung im Visier, die Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates und West-Jerusalem als Hauptstadt Israels beinhaltet. Jedoch wurden in palästinensisch-israelischen Verhandlungen die Diskussion um Jerusalem stets auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. So etwa in den Oslo-Verträgen von 1993. 

Quelle:
Palästina (Reise Know How) Burghard Bock und Will Tondok
Palästina Journal (Dez. 2015)
www.kas.de/palaestinensische-gebiete/de/pages/11509/

 



Sie können sich in einer grünen Oase an einem Hotelpool erholen - ein Palästinenser nicht! Das Wasser für den Pool wird palästinensischem Land entzogen.

Wasser gehört im Nahen Osten zu den wichtigsten und knappsten Ressourcen. Denn nur wo Wasser fließt, kann Leben gedeihen. Von seiner Verfügbarkeit hängen die Entwicklungsmöglichkeiten der Bevölkerung und deren Lebensstandard ab. Daher geht es im Nahostkonflikt nicht nur um Land, sondern auch um diesen lebensnotwendigen Rohstoff. In dieser Region ist von der Natur ausreichend Wasser vorhanden, das es nur gerecht zu verteilen gilt.
Seit der Besetzung der Westbank, der Golanhöhen und des Gazastreifens im Juni 1967 kontrolliert Israel die Wasservorkommen. Hier befinden sich die drei Hauptquellen und die wichtigsten Zuflüsse des Jordans. Früher konnten die Palästinenser auf Grundwasser zurückgreifen, denn die größte Grundwasserader der Region liegt unter dem Westjordanland. Vor 1967 konnten eigene Brunnen gebohrt werden, heute bedarf der Neubau von Brunnen einer israelischen Genehmigung, die den palästinensischen Gemeinden allerdings nur selten und dann auch nur zum Zwecke der Trinkwassergewinnung erteilt wird. Die Tiefe palästinensischer Brunnen ist seitens der israelischen Militärbehörde beschränkt. Für Brunnen innerhalb israelischer Siedlungen gibt es hingegen keine Beschränkung.

Ungefähr 80% der Grundwasserressourcen in der Westbank werden von Israel genutzt und decken damit ca. 40% des israelischen Wasserbedarfs. Dies und marode Wasserleitungen führen insbesondere in den Sommermonaten zu extremer Wasserknappheit in Palästina. Einige palästinensische Dörfer in Gebieten unter vollständiger israelischer Kontrolle (Zone C) sind bis heute nicht an eine Wasserleitung angeschlossen. Sie müssen Wasser aus Tankwagen beziehen und teuer bezahlen, obwohl benachbarte illegale israelische Siedlungen an das Wassernetz angeschlossen sind.
Im Durchschnitt liegt der Wasserverbrauch bei Palästinensern, die an das Wassernetz angeschlossen sind, pro Person und Tag im Westjordanland bei ca.70 Liter. In einigen Regionen der Westbank müssen manche sogar mit weniger als 20 Litern pro Tag auskommen. Dagegen verbraucht die israelische Bevölkerung in den Städten zwischen 100 und 230 Liter pro Person und Tag. Der Wasserverbrauch in den israelischen Siedlungen des Westjordanlandes liegt erheblich darüber, da die Siedler unbegrenzt Wasser konsumieren können.  


Quelle:
LIPortal Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
www.giz.de/ DW  
  


Sie können im Toten Meer, im See Genezareth und im Mittelmeer baden –
ein Palästinenser kann nicht an den See und nicht ans Meer fahren.

Israelis, die in den illegalen Siedlungen in der Westbank wohnen, können ohne Kontrolle auf extra für sie errichteten Straßen in kurzer Zeit das israelische Staatsgebiet erreichen.
Palästinenser aus der Westbank können nur mit einer Erlaubnis der Militärverwaltung nach Israel einreisen.
Diese Einreiseerlaubnis wird nicht nach bestimmten Kriterien, sondern willkürlich erteilt; d. h., dass niemand einen rechtlichen Anspruch darauf hat. Die Aussicht auf eine Erlaubnis besteht nur bei konkreten Anlässen wie Arbeit, gesundheitliche Gründe, Handelsbeziehungen……
Wer eine Arbeitsstelle in Israel hat, kann z. B. nur morgens zwischen 4 und 6 Uhr den Checkpoint passieren und muss dabei noch lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Danach ist der Checkpoint bis zum  Abend geschlossen. Der Arbeiter muss außerdem am gleichen Tag in die Westbank zurückkehren; er kann also nicht die Woche über in Israel bleiben und nur am Wochenende nachhause fahren.
Die Einreiseerlaubnis kann jederzeit ohne Begründung entzogen werden.

Stellt die israelische Militärverwaltung eine Erlaubnis z. B. für den Besuch eines Krankenhauses in Israel aus, gilt diese nur für den Kranken, nicht für ein weiteres Familienmitglied.

Bewohner der Westbank können auch nicht als Touristen nach Israel einreisen.
In palästinensischen Orten, die durch die Trennmauer geteilt sind, werden die Reisebeschränkungen besonders deutlich:
Vor dem Bau der Mauer konnte z. B. ein Vater die Familie seiner Tochter, die Luftlinie ca. 1 km von ihm entfernt wohnt, jederzeit besuchen. Seit die Mauer fertiggestellt ist, muss er auf palästinensischer Seite mehr als eine Stunde auf schlecht ausgebauten Straßen zum Checkpoint fahren. Um den Checkpoint zu passieren und die Fahrt zu seiner Tochter auf israelischer Seite fortsetzen zu können, benötigt er eine Einreiseerlaubnis der israelischen Militärverwaltung.

Weitere Informationen: z. B. unter www.qantara.de – Dialog mit der islamischen Welt